Fast Fashion – Fast destruction

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Kommentar zum Thema Fastfashion

Wie oft trägst du ein Kleidungsstück, bis es in der hintersten Ecke deines Kleiderschrankes sein Ende findet? Oder in den Müll wandert? Wie viele Teile besitzt du, die nie getragen werden? Und wie viele neue Teile kommen im Jahr dazu?
Es ist ein alltägliches Szenario, das jeder von uns kennt. Wir stehen vor unseren Kleiderschränken, die aus allen Nähten platzen, und finden nichts zum Anziehen. Schließlich greifen wir doch wieder zu dem Pulli, den wir immer tragen. Der Rest wird vergessen. Das hindert uns trotzdem nicht, beim nächsten Ausverkauf wieder richtig zuzuschlagen. Und wo soll darin jetzt das Problem liegen? Das schadet doch keinem, oder? Die Frage ist schnell beantwortet. Es schadet jedem von uns. Denn die Fast Fashion Industrie ist eine der schmutzigsten Industrien überhaupt.

Fast Fashion, also „schnelle Mode“ ist ein Geschäftsmodell der Textilbranche. Neueste Designs werden als Massenware produziert, und sind in den größten Modehäusern der Welt zu finden. Die laufend wechselnden Kollektionen werden von den neuesten Trends inspiriert und sind zu einem günstigen Preis für jeden von uns verfügbar. Man ist immer auf dem Laufenden. Und genau deswegen suchen die Kunden die Geschäfte immer wieder auf. Was vor drei Monaten gekauft wurde ist längst nicht mehr aktuell, und muss durch etwas Neues, Angesagtes ersetzt werden.
Der Modegigant H&M veröffentlicht im Jahr bis zu 16 unterschiedliche Kollektionen, und auch die Marke ZARA bringt sogar alle zwei Wochen eine neue Kollektion auf den Markt, was 24 Kollektionen im Jahr entspricht.

Es entsteht ein riesiger Berg an neuproduzierter Kleidung, der jedes Jahr wächst. Allein von 2000 bis 2014 hat sich die Menge an neuproduzierter Kleidung verdoppelt, es wurden 100 Milliarden Kleidungsartikel neu gefertigt. Und wer soll das alles tragen? Fakt ist, dass in Folge dieser enormen Überproduktion die Modemarken nicht warten, bis eine Kollektion ausverkauft ist. Stattdessen wird diese durch eine Neue ersetzt. Was mit den übriggebliebenen Teilen passiert, lässt sich pauschal nicht beantworten, die Modehäuser geben dazu nur bedingt Auskunft. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass ein Großteil davon verbrannt wird. Laut dem Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (2019), und Business of Fashion (2018), wird nur ein Prozent der neuen Kleidung recycelt und 80 Prozent der in der EU verkauften Kleidung landet auf dem Müll.

Dass die Marken ihre Kleidung so billig anbieten können, liegt an der Produktion. Diese findet meist im Ausland, oft in Asien statt. Denn dort haben die Arbeiter*innen nicht die gleichen Rechte wie in westlichen Ländern. Sie können also als billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden. Wie problematisch die Arbeitsbedingungen wirklich sind, hat sich 2012 bei einem Unfall in einer Textilfabrik in Bangladesch gezeigt. Es kam zu einem Brand im Gebäude, der 117 Menschen das Leben kostete. In den Produktionsländern herrschen zudem nicht die gleichen Produktionsstandards wie in Deutschland. Filtersysteme, die die giftigen Chemikalien und Textilfarben während der Fertigung davon abhalten sollen ins Abwasser zu gelangen, werden oft nicht benutzt, um eine billigere Produktion zu ermöglichen. Die Chemikalien gelangen so in Flüsse, Seen und Meere, und schaden Tieren, Pflanzen und Menschen. Aber nicht nur durch den direkten Austritt der Schadstoffe aus der Fabrik, wird die Umwelt geschädigt.

Auch die vermehrte Verwendung von synthetischen Stoffen belastet die Natur nachhaltig. Besonders beliebt ist Polyester, dessen Grundstoffe Erdöl, Steinkohle, Kalk und Erdgas sind. Allein bei der Herstellung von Polyester werden jährlich rund 98 Millionen Tonnen Erdöl benötigt. Ein großes Problem ist allerdings auch, dass die synthetischen Stoffe kaum bis gar nicht biologisch abbaubar sind. Beim Waschen der Polyesterkleidung im alltäglichen Gebrauch lösen sich winzige Fasern ab, die dann als Mikroplastik in das Abwasser und anschließend in die Flüsse und Meere dieser Welt gelangen. Darunter leiden Fische, Vögel und sämtliche andere Bewohner der Gewässer. Durch den Verzehr von Fisch und Salz kann das Mikroplastik aber auch in den menschlichen Körper gelangen. Die Modebranche ist für 35 Prozent des Mikroplastik in den Meeren verantwortlich, und wir, als Konsumenten, mit ihnen.

Auch wenn 60 Prozent der Kleidung aus synthetischen Fasern gefertigt wird, ist Baumwolle immer noch ein unverzichtbarer Rohstoff der Modeindustrie. Gut so, denn vergleicht man den CO2 -Ausstoß während der Produktion eines T-Shirts, verbraucht ein Baumwoll-Shirt zwei Kilogramm CO2 und ein aus synthetischen Fasern gefertigtes Shirt sechs Kilogramm CO2. Also das Dreifache! Dennoch birgt auch die Baumwollproduktion ihre Probleme. Das Hauptproblem ist der große Wasserverbrauch, so stecken in einem Kilogramm Baumwolle etwa 11.000 Liter Wasser. Auf den meisten Baumwollfeldern werden zusätzlich Pestizide und Insektizide verwendet. Zwar gibt es „Bio-Baumwolle“ die ohne Pestizide angebaut wird, diese liegt in der globalen Baumwollproduktion jedoch unter einem Prozent.

Die Modebranche muss sich verändern, und mit ihr der Verbraucher. Denn schon jetzt macht diese Zehn Prozent des weltweiten CO2 -Ausstoßes aus. Doppelt so viel, wie der gesamte Flug- und Schiffsverkehr zusammen. Wir Menschen werden immer mehr auf der Erde. Und wenn wir nicht gegensteuern, gegen die Wegwerfgesellschaft und den Massenkonsum, werden wir unseren Heimatplaneten zu Grunde richten.
Aber es wäre nicht richtig, sich nur zu beklagen. Schon jetzt ist einiges im Wandel. Das Umweltbewusstsein der Menschen wächst, was die Fridays for future-Bewegung gezeigt hat. Es gibt einige junge Fashionbrands, die über die Missstände der Modebranche aufklären und sich für faire und nachhaltige Produktion und Waren einsetzen. Zwar sind diese oft teurer, haben aber auch eine bessere Qualität und halten länger.

Wenn wir uns also mit weniger, aber dafür Gutem zufrieden geben würden, müssten wir nicht ständig Neues kaufen. Auch blüht der Markt für Secondhand-Produkte auf. Immer mehr Plattformen bieten auch online ihre gebrauchten Stücke an, denn Individualismus ist etwas, das sich die Menschen wünschen, in Zeiten, in denen jeder das Gleiche trägt. Auch andersherum funktioniert das Konzept: Kleidung, die nicht mehr gefällt, kann gespendet oder verkauft werden, so landet diese nicht im Müll und bereitet einer anderen Person womöglich Freude. Die großen Modemarken geraten immer mehr in Kritik und bieten teilweise schon nachhaltige Kollektionen an, inwieweit diese aber wirklich fair und nachhaltig produziert wurden, lässt sich nur schwer sagen.

Jetzt und in Zukunft ist es wichtig, die Kinder schon von klein auf, über die Wichtigkeit von Nachhaltigkeit aufzuklären. So, dass wir alle eine neue Wertschätzung gegenüber unserer Kleidung und deren Fertigung bekommen, denn in diese ist ein Stück unserer Erde geflossen. Es muss aufhören, dass der höchstmögliche Profit über allem steht. Denn letztendlich zahlen wir alle den Preis dafür.

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