In the eye of the beholder

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Digitale Mode für queere Körper

Die Virtual Reality Experience "In the eye of the beholder" stellt eine Modenschau dar, in der queere Erfahrungen der Körperwahrnehmung nahbar gemacht werden. In der Modenschau, kann der Betrachtende in die Gedankenwelt unterschiedlicher queerer Menschen eintauchen und ihren Körper als eine Form der Selbstermächtigung in einer immersiven Umgebung erleben.
Die Abschlussarbeit soll eine Möglichkeit des Austauschs bieten, um ein besseres Verständnis für die Identität anderer Menschen zu entwickeln. Es geht um die Bewältigung von Traumata und Mikroagressionen, die in der Gesellschaft oft nicht wahrgenommen oder anerkannt werden. Wenn unser Körper Hass, Angst, oder Diskriminierung erfährt, braucht er Möglichkeiten, sich zu verteidigen um zu heilen.

Imagination und Achtsamkeit können eine menschliche Komponente sein, die es dem Geist ermöglicht, dies zu tun. Ein Teil der Identität wird untersucht und jeder Person im Projekt bekommt die Möglichkeit, diesen Teil von sich selbst in einer virtuellen Realität durch digitale Mode auszudrücken. Aus Unterdrückung und Ungleichheit wird Widerstand und Schönheit. Momente der Selbstermächtigung und die Rückgewinnung von Stärke werden das neue Narrativ von queeren Menschen definieren.
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Designtalk im Livestream am Samstag um 16 Uhr
Offene Diskussionsrunde danach auf Zoom https://fhws.zoom.us/j/82503769878

Maya (she/her)

Maya (she/her) identifiziert sich als lesbische, weiße cis-Frau aus Kanada. Als Tänzerin musste sie sich schon immer stark mit ihrem Körper auseinandersetzen. Jedoch betrachtete sie ihre Weiblichkeit oftmals als eine Bürde. Ihren Körper und ihre weiblichen Körpermerkmale versteckte sie lieber aus Angst vor Übergrifflichkeiten. Sie möchte sexuell nicht objektifiziert werden. Nach ihrem „coming out“ hat sie durch Beziehungen mit anderen Frauen mehr und mehr zu ihrem weiblichen Körper gefunden. Sie hat gelernt, ihre Weiblichkeit als etwas Schönes und Starkes wertzuschätzen. Wenn es eine Hülle gäbe, die ihren Körper schützt, wäre es eine tiefblaue, wellenartige Wasserhülle die ihren Körper umgibt.

Sherin (they/them)

Sherin (they/them) identifiziert sich als nicht-binäre, queer of color mit ägyptischen Wurzeln. Als Aktivist*in, der*die politische Aufklärungsarbeit leistet, beschäftigt sich Sherin mit Problemen zum Thema „Fat-phobia“ und „Body-positivity“. Sherin beschreibt den eigenen Körper mit der Selbstbezeichnung „fett“ und möchte damit das negative Stigmata gegenüber „dicken Körpern“ aufbrechen. Am sichersten fühlt Sherin sich bei „queeren safe spaces“. Dort kann Sherin das anziehen, was them gefällt ohne danach beurteilt zu werden. Jedoch hat Sherin auch schon fettfeindliche Erfahrungen in queeren safe spaces gemacht. Mit einem weiblich gelesenen Körper muss they oft darauf achten, was they anzieht. Jedoch liebt Sherin es in bestimmten Räumen freizügigere Sachen anzuziehen zu können. Sherins Körperhülle beschreibt they als etwas samtiges, dornenartiges, das aus Sherins Körper herausschießt.

Loïs (he/him)

Loïs (he/him) identifiziert sich als bisexueller trans-Mann und studiert Architektur in Paris. Für ihn war sein Körper als trans-Mann immer ein präsentes Thema. Aufgewachsen ist er mit einer starken Körper-, vorallem Brustdysphorie. Kurz nach seiner Geschlechtsumwandlung hatte er versucht, möglichst männlich auszusehen. Oft wurde ihm seine Männlichkeit abgesprochen, sobald er etwas getragen hat, das mit Weiblichkeit assoziiert wird, wie zum Beispiel Ohrringe und anderen Schmuck. Mittlerweile ist ihm bewusst, dass seine Männlichkeit nicht durch die Fähigkeit als Mann „zu passen“, also in der Gesellschaft als Mann gelesen zu werden, definiert wird. Auf seine Narben von der Brust-OP ist er stolz. Aber er kritisiert die Hypersexualisierung und Fetischisierung der Geschlechtsorgane von trans*Menschen in Medien. Seine Hülle beschreibt er als ein scharfkantiges Korsett, das unterhalb seiner Narben sitzen. Gleichzeitig fungiert dieses als Rüstung, die sich zu einem Kokon verschließt, um ihn zu schützen. Er sagt: „At some point I just have to stop caring about what people think about my body and just exist as I am.“

Marcel (he/him)

Marcel identifiziert sich als bisexueller cis-Mann aus Spanien. Oft wurde er als Tänzer mit seinem „dünnen“ Körper, negativ konfrontiert. Seine Sexuallität betrachtet er selbstbewusst als eine der stärksten Komponenten seines Körpers. Maskulinität gibt ihm, zumindest in öffentlichen Räumen, ein Gefühl von Sicherheit. Der Ausdruck von „Queerness“ ist für ihn sehr kraftvoll, jedoch nicht immer sicher. Seine Hülle beschreibt er als etwas großes und umhüllendes mit einer warmen vibranten Farbe. Es soll sich prachtvoll erheben wie das Federkleid eines Pfaus.

Micah (they/them)

Micah identifiziert sich als nichtbinäre, schwarze afro-amerikanische Person. Micah hat das Gefühl, dass Menschen aus dem eigenen Umfeld immer offener gegenüber dem Thema Gender werden. Micah versucht es den Leuten manchmal einfacher zu machen, indem they sich „gender konform“ verhält, also Micahs weiblich gelesenem Körper entsprechend. Micah zeigt Verständnis dafür, wenn andere them „misgendendern“. Außerdem spricht Micah von der starken Brustdysphorie, die they oft hat. Die eigene Körperhülle beschreibt Micah als etwas rundes, das sich aufbläht und kurz davor ist zu platzen. Micah beschreibt so die Geschlechternormen, die they oftmals umgibt und them „keinen Raum zum atmen gibt“. They fühlt sich davon oft erdrückt. Außerdem sieht Micahs Körperhülle, sehr holographisch, transparent und fluide aus. Mit strahlend leuchtenden Farben fühlt sich Micah am wohlsten. They fügt hinzu: „Sometimes it is hard when people don’t see you in the way that you identify with, that makes me want to shapeshift into someone more androgynous looking.“

Sam (they/them)

Sam identifiziert sich als agender und studiert Design in Jordanien. Sam spricht von their Erasmus Erfahrung in Deutschland und die Rückkehr nach Jordanien. Ein Land, das weniger offen gegenüber LGBTQ+ Repräsentation ist. Eine queere Gemeinschaft gibt es dort nicht, da diese Thematik in der Öffentlichkeit weitgehend tabuisiert ist. Sam bemerkt, dass das eigene Verhalten an die entsprechenden Räume angepasst wird. In Deutschland hatte Sam die Möglichkeit, sich frei zu entfalten. So war es für Sam zum Beispiel möglich, mit langen, bunten Acrylnägeln indie Hochschule zu gehen, ohne sich dabei unwohl zu fühlen. Sam sagt, dass they sich seit der Rückkehr nach Jordanien weniger frei fühlt und sich their Verhalten an den Ort angepasst hat. Die eigene Identität beschreibt Sam als dynamisch und aus vielen einzelnen Schichten bestehend, die sich überschneiden und überlappen. Sie ist fluid und fluoresziert in einem blau schimmernden Licht.

Sophia (she/they)

Sophia (she/they) identifiziert sich als pansexuelle, nicht-binäre, polyamore Person. Sophia musste sich im Leben schon öfters outen. Egal ob es um die Sexualität, Geschlechtsidentität oder um das Liebesleben geht. They erzählt, das Leute zum Beispiel Polyamorie oft mit der Unfähigkeit treu zu sein verbinden und stellen Sophia als eine negative Person dar, wobei Polyamorie nichts mit sexueller Begierde zu tun hat, sondern mit Liebe. Die Idee der Monogamie entspringt aus dem Konstrukt der Ehe und basiert auf einer Idee von einer bestimmten Form der Liebe. Diese eine Form von Liebe muss nicht für alle Menschen gültig sein. Sophia fühlt sich wohler, wenn Menschen die Person nicht auf die körperlichen Attribut reduzieren. Daher trägt Sophia oft weite, lange Kleidung, die bestimmte Körperregionen kaschiert. Wenn die Weiblichkeit in einem geschützten Umfeld zur Geltung kommen kann, fühlt Sophia sich aber auch stärker und selbstbewusster. Die eigene Körperhülle beschreibt Sophia als ein pflanzenartiges Gewächs, das aufblüht und dabei verschiedene Entwicklungsphasen und Zustände preis gibt.

Don (he/they)

Ich identifiziere mich als queere Person. Ich fühle mich oftmals sehr genderfluid jedoch identifiziere ich mich als cis-Mann. Meine maskulinen Seiten verbinde ich mit Ruhe, Gelassenheit, Trägheit und etwas Schüchternheit. Während meine femininen Seiten meine Kreativität, mein Selbstbewusstsein und Stärke repräsentieren. Lange Zeit habe ich meine femininen Attribute unterdrückt, jedoch wird mir immer mehr bewusst, wie wichtig dieser Teil von mir ist. Seither fühle ich eine immer stärker werdende Verbundenheit zu meinem eigenen Körper. Meine Körperhülle ist inspiriert von meiner ersten Konfrontation mit Geschlechterrollenbildern. Es repräsentiert ein Kleid aus meiner Kindheit, das ich unbedingt tragen wollte, jedoch mit daraufhin mit Geschlechterrollen konfrontiert wurde. Die gelb leuchtenden Rüschen, die mich umhüllen, symbolisieren den Einfluss und die Stärke meiner Femininität, die neben meiner Maskulinität, einen genau so wichtigen Teil meiner Identität darstellen.

24 Kommentare

Tolles Thama und faszinierend umgesetzt!! Bin gespannt auf den live talk 🙂

Glückwunsch, Don! Super spannend und echt tolle Visualisierung!

Respekt, Don!

Lieber Donjamin! Ich fand es so spannend deinen Prozess mitzubekommen und bin trotzdem so überrascht, gerührt und geflasht von deine Arbeit! <3

Richtig starke Arbeit und Umsetzung, Don!

Super empowering, regt zum Denken an und sehr starkes Projekt! Finde es ist so schön dich wachsen zu sehen, alles gute zu deinem Bachelor!!! ❤

300% krass. Freue mich schon sehr auf deinen Vortrag!

Wichtiges Thema und starke Umsetzung! Gefällt mir gut Don!

Ich find die Arbeit so stark, schön, berührend und mutmachend! So toll!

Donte Christo ist das geil geworden!!!! CHAPEAU!!!!

AHHH!! Pure Gänsehaut.

richtig schön don !

Herzlichen Glückwunsch! Ich liebe dein Projekt <3

tolles und schönes projekt don!

Starkes Thema und unglaublich gute Umsetzung! Es braucht mehr solche Arbeiten 🙂 Glückwunsch!

Super spannende Einblicke und echt schön umgesetzt!

Wow Don, so so stark!!

Einfach wunderbar, die Message. deine Show, die pers. Perspektiven. Ich bin beindruckt, und be/geruehrt von den persoenlichen Biographien. RESPECT!

zu wild

so schön! <3 absolut beeindruckend!

Wow, tolles Projekt! Glückwunsch zum Bachelor Don 🙂

Vielen Lieben dank für all die lieben Kommentare und das Feedback 🙂 habe mich sehr gefreut.

Wenn ihr jemals die Möglichkeit habt die Show in VR anzusehen (Mit ner VR Brille oder mit nem VR Headset fürs Smartphone) Macht das unbedingt :).

Wow 🥺🤩🤯

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