Georges Duthuit, ein wichtiger Matisse-Kommentator, vergleicht die gestalterische Herangehensweise von Matisse mit der Mozarts. Beide würden die feine Balance zwischen Licht und Schatten, dem Erfundenen und Beschriebenen, Transparenz und Opazität wahren. Eine Balance die den Betrachter, den Zuhörer über eine ästhetische Ruhe hinaus, zu einer möglichen Harmonie mit der Welt hinführt.

Jene Beobachtung nahm ich als Anlass, eine Schrift zu entwerfen, die sich der bildnerischen Sprache der Cut-Outs von Matisse bedient. Um im Schlussergebnis herauszufinden, ob die illustrative Welt mit der melodischen Mozarts eine logische Einheit ergibt.

Ich begann damit, die Formgebung der Elemente der Matisse-Gemälde zu studieren und machte erste Skizzen. Schnell begann ich die Buchstaben spontan und ohne Vorlage – aber mit Blick auf die Cut-Outs Matisse’ – aus Papier zu schneiden. Denn es zeigte sich, dass der natürliche Duktus des Scherenschnitts unumgänglich war, wenn eine authentische illustrative Sprache erzeugt werden wollte. Ich bildete zuerst eigen geformte, zu Buchstaben gebogene Zeichen heraus. Im fortlaufenden Prozess jedoch, entschied ich mich dazu, verstärkt die Elemente der Gemälde direkt zu zitieren. Ich drehte und wendete also die Gemälde, sah sie mir gemeinsam an und las aus den Cut-Outs meine Buchstaben heraus. Einige Buchstaben waren offensichtlich, andere verbargen sich etwas mehr, einige wenige, die nicht ohne weiteres in den Gemälden auftauchten, musste ich schließlich freier entwerfen.

Eine wunderbare Gelegenheit mich auf rein illustrative Weise dem Thema Schrift zu nähern, herauszufinden, was welches Zeichen ausmacht und von welchen Elementen die Eindeutigkeit abhängt. In der finalen Phase wählte ich aus hunderten entworfenen Zeichen vier pro Buchstabe aus. Diese gliedern sich in zwei verschieden Schnitte – »ronde« (frz. rund) und »effilé« (frz. schmal, spitz). Letzterer orientiert sich an den eher geometrischen und geradlinig-kantigeren Gemälden, der runde Schnitt zitiert meist die Korallen-Illustrationen Matisse’. Beide Schnitte sind in weitere zwei Sätze gegliedert, um eine größere Abwechslung zu bieten. Diese können flexibel vom Anwender ersetzt und kombiniert werden.

Die Matisse entstand im Kurs „26+.ZeichenSetzen.SchriftEntwurf“ bei Prof. Gertrud Nolte. Vielen Dank an Frau Nolte und ihre Unterstützung Tessa Steinmeyer und Jakob Fangmeier, die mit Rat und Tat die Schriftentwicklung begleitet haben.

4 Kommentare

Lieber Lucas, ich finde es sehr interessant wie du aus dem illustrativen Zugang zur Matisse eine stimmige, runde Schrift entworfen hast! Richtig schön

ich mag vor allem die runden buchstaben 🙂

Liebe sie!

mega!!

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