Unser lineares Wirtschaftsmodell, wie wir es heute kennen, ist zum Scheitern verurteilt. Die globale Wirtschaft hat nur ein Ziel: Wachstum. Hierfür wird die Produktion auf das Unermessliche angekurbelt. In der westlichen Gesellschaft schwillt die Konsumspirale immer weiter an, während der globale Süden ausgebeutet zurückbleibt. Die Folgen sind fatal. Deshalb möchten wir Raum für positive, nachhaltige und regenerative Zukunftsmodelle schaffen, inspiriert durch das Ökosystem, die Widerstandsfähigkeit und die Langlebigkeit der Natur: Oeconomica Utopia. In zehn Ausstellungsräumen thematisieren wir verschiedene Aspekte, die die Drastik der aktuellen Lage aufzeigen und konzipieren die Realisation eines zirkulären Wirtschaftsmodells.

Die Zukunft der globalen Wirtschaft hängt am seidenen Faden. Das aktuelle System, in dem Konsum und Wirtschaftswachstum gekoppelt sind, erreicht seine Grenzen. Ressourcenknappheit, Verteilungskonflikte und Klimakrise sind die Folge. Unser erster Raum legt die Grenzen dieser linearen Wirtschaft dar. Marode Fäden prophezeien ihren baldigen Zerfall. Wir stehen vor der ganz konkreten Frage, ob wir es verantworten können, ein System aufrecht zu erhalten, welches zutiefst unökonomisch ist, weil es die Voraussetzungen zerstört, auf die es gebaut ist.

Der Mensch verbraucht im Durchschnitt 22kg an natürlichen Ressourcen pro Tag. Das sind die mineralischen und fossilen Rohstoffe aus der festen Gesteinshülle unseres Planeten, die durch menschliches Einwirken nicht erneuerbar sind. Unsere zweite Station zeigt, wie lange ausgewählte Stoffe wie zum Beispiel Kupfer, Erdöl oder Silber noch vorhanden sein werden. Aufgrund der stark steigenden Nachfrage erhöht sich jedoch der Rohstoffbedarf stetig und könnte unter Umständen die Dauer verkürzen. Deshalb ist es unbedingt notwenig, Rohstoffe effizienter und nachhaltiger einzusetzen.

Wir leben heute in einer Welt, in der unser Wohlbefinden und Glück stark an eine Zunahme unseres materiellen Wohlstands gebunden ist. Es herrscht die Meinung, je mehr wir konsumieren, desto besser geht es uns. In Anbetracht knapper werdender Rohstoffe und der sich verschärfenden Klimakrise, wird das Modell der Konsum- und Wegwerfgesellschaft immer mehr infrage gestellt. Unsere dritte Station veranschaulicht nicht nur die Verknappung der Rohstoffe, sondern auch die absolute Leere, die wir vorfinden werden, wenn wir unseren maßlosen Lebensstil nicht grundlegend verändern. Die Installation ist aus Paketfüllmaterial gefertigt, sinnbildlich für den exzessiven Kaufrausch einer ganzen Gesellschaft.

Strohhalme sterben langsam aus, Einweggeschirr auch und Plastiktüten sowieso. Immer mehr Menschen tauschen den To-Go-Wegwerfbecher gegen einen Wiederverwendbaren ein. Selten war das Bewusstsein für nachhaltiges Handeln so groß wie zur Zeit. Nicht nur die großen Umweltverbände, sondern auch die Bundesregierung und die EU-Kommission haben Plastikmüllbergen den Kampf angesagt. Und so ökopopulistisch die Debatte gelegentlich auch geführt wird, immerhin findet sie statt. Doch wir zeigen: Die Realität sieht anders aus… Der Inbegriff eines Einwegproduktes, das Plastik-Schnapsglas, wird aus seinem sonst so stimmungsvollen Kontext gerissen und wird nun zum nüchternen Exponat. Ausgestellt wie etwas, das der Vergangenheit angehören sollte. Dies zeigt die Debatte um Einweg-Plastikprodukte in all seiner Absurdität: Der Mensch schafft sich aus reinster Bequemlichkeit kurzlebige Produkte, die bereits in einer nachhaltigeren, effizienteren Form existieren.

Unsere fünfte Station behandelt speziell die Automobilindustrie in Deutschland, die mit 850.000 Beschäftigten und 407 Milliarden Euro Umsatz das Schwergewicht der deutschen Wirtschaft ist. Insbesondere wenn es um Privilegien der Branche geht, wird ihre Bedeutung beschworen. Doch obwohl die Industrie zum Wohlstand des Landes beiträgt, bringt sie erhebliche Schattenseiten mit sich: große Mengen an Rohstoffverlusten, geringe Recyclingquoten und schlechte Nachhaltigkeitsbilanzen.

Der sechste Raum widmet sich einem weiteren Teilbereich: der Lebensmittelindustrie. Auch hierfür spielt das Konzept der Kreislaufwirtschaft eine bedeutende Rolle. In der Lebensmittelproduktion sind die Hersteller zum einen auf Rohstoffe, die für die Direktverarbeitung von Lebensmitteln benötigt werden, angewiesen. Zum anderen werden Materialien, die für das Verpacken der Produkte verwendet werden, benötigt. Da auch diese Rohstoffe nicht unbegrenzt verfügbar sind, müssen sie sorgsam eingesetzt und geschont werden.

Der siebte Raum visualisiert mehrere Aspekte einer zirkulären Wirtschaft. Durch eine Kombination von Kate Raworths "Donut-Ökonomie-Modell", dem "Cradle-to-Cradle-Prinzip" des deutschen Chemikers Michael Braungart und dem US-amerikanischen Architekten William McDonough und dem Aktionsplan der Ellen MacArthur Foundation, skizzieren wir wichtige Aspekte zur Umsetzung einer solchen Wirtschaft. Dabei bilden drei Kreise das Fundament: Die planetaren Belastbarkeitsgrenzen als äußerer Kreis, die Bedürfnisse der Gesellschaft als mittlerer Rahmen und der Umgang mit erneuerbaren und endlichen Materialien im Zentrum.

Die Ellen MacArthur Foundation skizziert drei allgemeine Prinzipien zum Etablieren einer Kreislaufwirtschaft: den Erhalt und die Verbesserung des Naturkapitals durch Kontrolle endlicher Bestände und Ausgleich der Ströme erneuerbarer Ressourcen, die Optimierung des allgemeinen Ressourcenverbrauchs durch maximale Auslastung von Produkten, Komponenten und Materialien und die Förderung der Systemeffektivität durch Aufdeckung und Gestaltung negativer externer Effekte. Diese drei Prinzipien werden im sogenannten ReSOLVE-Modell zu sechs konkreten Handlungsstrategien umgewandelt.

Für Leder sterben Tiere. Bei der Gerbung werden giftige Chemikalien eingesetzt und es wird viel Wasser verbraucht. Die Modeindustrie verwendet wegen zunehmender Kritik schon seit Längerem Kunstleder wie etwa PU. Auch wenn der Tierhautersatz preisgünstig ist, besteht er aus Plastik und ist damit schädlich für die Umwelt. Organische und nachhaltige Ersatzmaterialien für tierisches Leder sind etwa Kautschuk oder Kork. Es gibt jedoch auch nachhaltige Lederalternativen, die beweisen, dass Produktionskreisläufe der zirkulären Ökonomie keine unrealistische Zukunftsvision, sondern vielmehr ein umsetzbares Ziel sind. So werden beispielsweise bereits lederähnliche Stoffe aus Abfall- und Nebenprodukten wie vergorenen Äpfeln, Ananas oder Kakteen hergestellt und zu Schuhen, Taschen und Kleidungsstücken verwertet.

Der letzte Raum gibt einen Ausblick in eine Zukunft, in der sich Wieder- und Weiterverwendung von Waren, Recycling von Materialien, geringer Energiebedarf und die Aufrechterhaltung der natürlichen Systeme etabliert haben. Wir fassen mehrere Prognosen für die Jahre 2030 und 2050 aus den vorher thematisierten Teilbereichen zusammen. Dadurch wollen wir eine Inspiration für Regionen, Branchen, Unternehmen oder einzelne Waren liefern. In Zukunft sehen wir eine grüne Welt, in der hochmoderne Städte und Industriegebiete einen positiven Fußabdruck hinterlassen und dadurch ökonomisch wachsen.

7 Kommentare

Super spannend und sehr nice umgesetzt 👏🏼

tolle Umsetzung, vor allem beim Plastik!

richtig umfangreiches projekt, sehr cool!

sehr relevantes Projekt!

wie auch immer du das in einem semester geschafft hast … mega gut!

bzw ihr*:)

👍👍👍👍👍

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