Wolfgang Amadeus Mozart – Komponist vieler großartiger musikalischer Werke. Von Oper bis Klavierkonzert sind seine Melodien einprägsam, lieblich, lebhaft und doch im nächsten Moment wieder düster. Besonderes Augenmerk legte ich, im Zuge der Recherche zur Schriftgestaltung, auf seine Violinkonzerte. Als Violinist hatte ich sofort eine deutlich engere Verbundenheit zu diesen Werken. Ich empfand die Dynamik deutlich lebhafter nach, als es bei einem anderen Soloinstrument der Fall gewesen wäre. Und so stand mein Entschluss Mozarts Violinkonzerte in Schrift zu gießen.

Die Vigoros bedient sich entsprechend Mozarts Lebzeiten und der Wiener Klassik in der er wirkte, der Charakteristika der klassizistischen Antiqua. So zeichnet sie sich durch einen hohen Strichstärkenkontrast, feine Haarlinien und ausgeprägte Tropfen im Strichabschluss aus.

Die Serifen sind asymmetrisch geformt – einseitig gekehlt. So ergibt sich besonders in den Versalien eine äußerst fließende Bewegung von der Kopf- bis zur Fußserife. In der rechten Kopfserife, beim »V« beispielsweise, schließt die diagonale Haarlinie mit beidseitiger Kehlung an, um einem zu geringen Schwarzwert entgegen zu wirken. Genauso ist die Serife des rechten Beins beim »n« und »m« beidseitig rund gekehlt um den dynamischen Schwung des linken Stamms mit Stabilität zu verbinden.

Eine Schrift anlässlich eines Violinkonzertes sollte auf jeden Fall melodisch sein, so viel stand fest. Wie aber konnte die Musikalität eines akustischen Ereignisses in Zeichen übertragen werden? Dazu betrachtete ich nicht ausschließlich die Klänge der Konzerte, sondern die Dynamik die sich räumlich durch diese ergibt. So hatte ich die Vorstellung wie der Bogen des Violinisten auf und ab geführt wird, in die Höhe schnellt, wie eine feine Nadel. Denn jedes Konzert das man besucht ist ja auch so viel mehr als nur Musik – es ist dann auch die Visualität der Instrumente. Nun war die Brücke geschlagen, vom Klang zum Bild. Um diese vertikale Bewegung des Violinspiels zu verdeutlichen ist die Schrift schmal geschnitten, hat also eine recht geringe Stärke und Zeichenbreite. In ersten Entwürfen war noch eine deutlich scharfkantigere und stechendere Visualität mit extremer Serifenform geplant, diese exzentrische Formensprache legte ich dann allerdings beiseite. Klarheit, Seriosität und das Besondere im Detail schienen der richtigere Weg zu sein.

In der weiteren Entwicklung, besonders bei der Frage wie genau Strichenden geformt sein sollten, untersuchte ich die Formen der Violine selbst. Das Instrument verbirgt so viel Finesse und Formschönheit in sich, dass ich nicht umhin kam, ihre Formen zu zitieren. Eine Hommage an mein Instrument. Die Tropfen beispielsweise sind in Anlehnung an die Schallöcher gestaltet. Hier stellte ich mir zudem die Frage wie die Form wohl klingen würde. Um ein sanftes Crescendo zu erzielen, formte ich die Tropfen recht organisch mit weich und stetig ansteigender Fülle.

Dem Ausgangspunkt der Schriftidee entsprechend verfügt die Vigoros über einige musikalische Symbole. Im weiteren Ausbau soll so eine Verwendung der Schrift in Partituren ermöglicht werden. Für ausgewählte Buchstaben existieren stilistische Alternativbuchstaben, die besonders in einer plakativen Nutzung eingesetzt werden können. Den melodischen Fluss unterstreichen die Standard- und Schmuckligaturen.

Die Vigoros entstand im Kurs „26+.ZeichenSetzen.SchriftEntwurf“ bei Prof. Gertrud Nolte. Vielen Dank an Frau Nolte und ihre Unterstützung Tessa Steinmeyer und Jakob Fangmeier, die mit Rat und Tat die Schriftentwicklung begleitet haben.

4 Kommentare

man kann diese Schrift wirklich hören🎶

Richtig schöne Schrift, vor allem die Entwicklungsstufen während dem Semester waren super interessant und immer Motivation zum Weitermachen 🙌🏻

Erstaunlich, wie Frau Nolte und ihre Studenten in so kurzer Zeit nicht nur Originalität aber auch eine hohe Qualität zu Stande bringen. Tolle Schrift!

Und schöne Sonderzeichen 🙂

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