Von der Beweglichkeit der Hände

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Am Ende des Arms sitzt das Schweizer Taschenmesser unter den menschlichen Gliedmaßen. Die Hand. Mit ihr können wir greifen, gestikulieren, ertasten, schreiben, Zuneigung und Hass ganz ohne Worte ausdrücken. Die Beweglichkeit der Hand ist so komplex, dass sie zugleich Traum und Albtraum von Ingenieur:innen ist, die menschenähnliche Roboter nachstellen wollen. Mit einer unbeschreiblichen Genauigkeit können wir einerseits fotorealistische Gemälde mit ihr zeichnen und andererseits mit richtigem Einsatz einen Wurfball auf rund 160km /h beschleunigen. Die Beweglichkeit der Hand ist beispiellos. Die Bilder sind durch die Bewegung meiner Hände auf einem Scanner entstanden.

Aufgabenstellung in unserem Abschlussprojekt war es, zwei bekannte Gemälde fotografisch neu zu interpretieren. Das erste von mir ausgewählte Gemälde ist „Dogge mit Würsten“ von Wilhelm Trübner. Das Gemälde zeigt eine Dogge mit Wurstkette, die um ihre Schnauze hängt und unberührt bleibt. Das Ursprungsbild strotzt nur so vor Selbstdisziplin und Ordnung. Meine Fotografie ist eine zeitgemäße und realistischere Version dieses Gemäldes. Der Hund, den ich fotografiere, legt keine große Disziplin an den Tag und genießt die Würste ohne mit der Wimper zu zucken.
Das zweite von mir ausgewählte Gemälde ist „Le Rêve“ von Pablo Picasso. Ein Gemälde, das wie die meisten Werke Picassos, seine Vorliebe zu jungen nackten Frauen zeigt. Meine Neuinterpretation spielt mit dem Gegensatz Jung & Alt. Jedoch vereint die beiden der Traum, die Gedanken, die keiner erraten, nur vermuten kann. Mit meinem Setting möchte ich die größte Form der Gemütlichkeit ausdrücken und Kritik üben an Picassos immer wiederkehrender Reduzierung der Frau auf ihre Schönheit und Nacktheit.

Wilhelm Trübner „Dogge mit Würsten“ (1877)

Pablo Picasso „Le Rêve“ (1932)

2 Kommentare

Die Serie mit der Hand ist wunderschön, ästhetisch und spannend und der Text dazu perfekt gelungen. Tolle Arbeit 👍!

Ganz abgesehen von deinen gelungenen Fotografien, ob Abstrakt oder in Kritik zu den Gemälden, geben deine Texte wirklich eine schöne zweite Ebene

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